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Großer Moment für Ritter Helga

Ehre Haller Schützin Helga Große-Wächter 

Halle/Peine . Dieser Moment hätte auch aus einem Sagenfilm stammen können – für Helga Große-Wächter war er ein ganz besonderer. Vor der feierlichen Kulisse einer voll besetzten Kirche musste die Hallerin niederknien undeinSchwert senkte sich auf ihre Schulter. Es war ein Ritterschlag im wahrsten Sinne des Wortes für die engagierte Schützin. Mit ihm ist sie Mitglied eines besonderen Zirkels geworden.
Helga Große-Wächter darf sich nun Ritter der Ritterschaft des Heiligen Sebastian nennen – allerdings nicht Ritterin. Die weibliche Form des Titels existiert gar nicht, wie ihr stolzer Gatte Reinhard Große-Wächter erklärt, der ebenfalls Mitglied der Gemeinschaft ist. Die Ritterschaft geht aus der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen hervor und nimmt engagierte Schützenschwestern und -brüder in ihre Reihen auf. „Aus den Reihen der Gemeinschaft können Vorschläge für die Aufnahme in die Ritterschaft gemacht werden. Ein siebenköpfiger Ritterrat prüft diese und entscheidet dann“, erklärt Reinhard Große-Wächter. Da ist seine Frau wohl bestens geeignet, denn sie ist nicht nur seit 1972 Mitglied der Haller Schützengesellschaft und seit 2008 deren Vorsitzende, sondern bringt sich seit Jahrzehnten auch beim westfälischen und beim deutschen Schützenbund ein.
Der Ehemann hatte die Ehrung geschickt vor seiner Frau verborgen. „Er hat nur zu mir gesagt, dass ich unbedingt mit zum Europaschützenfest in Peine kommen müsste – da sei etwas geplant.“ Da hatte Helga Große-Wächter allerdings nicht mit einem Ritterschlag gerechnet. Und war dementsprechend überrascht, als sie vor der feierlichen Investiturmesse in der St.-Jakobi-Kirche von Peine aufgerufen wurde, um den Eid der Ritter zu leisten. „Ich hatte das maximal geahnt, aber das war schon eine große Ehre für mich“, sagt die 75-Jährige über ihren großen Moment. Die Zeremonie selbst „ging dann richtig unter die Haut“. Mehr als 500 Messebesucher wurden Zeuge, wie Erzherzog Karl von Habsburg sie mit feierlicher Geste und blinkendem Schwert in die Gemeinschaft aufnahm – mit 19 weiteren Ritter aus ganz Europa.
Nur 14 Frauen europaweit
Insgesamt gehören der Ritterschaft nunmehr 350 Mitglieder an, unter ihnen 14 Frauen. Helga Große-Wächter ist zudem erst der zweite weibliche Ritter in Deutschland. Eine große Ehre, und zugleich ein seltsamer Moment sei es gewesen, weil sie so im Mittelpunkt gestanden habe. „Alles blickt auf einen, und das in einer Kirche, in die kein Fuß mehr reingepasst hätte“, erinnert sich die Hallerin an die Zeremonie. Der Zeitpunkt der Ehrung war wohlkalkuliert, denn schließlich hatte sich die europäische Schützenschaft in Peine versammelt – zum im Abstand von drei Jahren stattfindenden europäischen Schützenfest. „80.000 Menschen waren dort, 15.000 sind marschiert“, erzählt Helga Große-Wächter und man merkt ihr den Stolz auf die Zunft der Grünröcke an.
Ihr neuer Titel ist auch mit Aufgaben und Zielen verbunden. Die Ritterschaft hat sich christliches, soziales Engagement im Sinne des europäischen Gedankens auf die Fahnen geschrieben. „Unsere Beiträge werden weitestgehend gespendet, aktuell natürlich für Flüchtlinge; es sind aber auch andere karitative Projekte denkbar.“ Vor kurzem unterstützte die Ritterschaft zum Beispiel eine ukrainische Familie, deren Vater bei den Kämpfen auf dem Maidan schwer verwundet worden war.
Nächstes Treffen im Frühjahr
Zwei Mal im Jahr kommen die Ritter zusammen, um Projekte zu planen und sich auszutauschen. Im Frühjahr wird dann erstmals auch Ritter Helga aus Halle dabei sein. „Das nächste Treffen ist in Lippstadt geplant“, sagt Helga Große-Wächter. Und auch dort dürften zahlreiche spannende Momente für sie wieder garantiert sein.


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